Aachener lehnen Bau einer Straßenbahnlinie ab
Am 15. März 2013 sollte sich der Regionalrat noch einmal mit dem Bau der Campusbahn in Aachen beschäftigen. Da aber wenige Tage vorher in einem Ratsbürgerentscheid eine deutliche Mehrheit das Projekt gekippt hatte, wurde der Tagesordnungspunk gestrichen. Die GRÜNEN bedauern dieses Aus für die Aachener Straßenbahn.

Leider musste ein für die GRÜNEN im Regionalrat wichtiger Tagesordnungspunkt der letzten Regionalratssitzung am 15. März 2013 gestrichen werden: die Campusbahn in Aachen. Mit einer überwältigenden Mehrheit von 90 Prozent hatte der Aachener Stadtrat das Projekt beschlossen und die Verfahren für die Förderung durch Land und Bund bei der Bezirksregierung eingeleitet. Um sicherzugehen, dass bei diesem zukunftsweisenden Verkehrsprojekt auch die Bürgerinnen und Bürger mit im Boot sind, hatte der Rat den Bau der Bahn an einen Ratsbürgerentscheid gekoppelt.
Dieser vom Rat initiierte Bürgerentscheid fand am Sonntag, den 10. März 2013, statt. Mit eindeutiger Mehrheit von 66 Prozent – bei einer Wahlbeteiligung von 43 Prozent – haben die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Aachen die Stadtbahn abgelehnt.
„Für mich ist das eine große Enttäuschung, waren doch alle Signale förderpolitisch wortwörtlich auf Grün gestellt. Fast die Hälfte der Kosten des Projekts wären von Bund und Land gefördert worden“, sagt Bettina Herlitzius, Bundestagsabgeordnete aus der Städteregion Aachen und stellvertretende Vorsitzende des Regionalrats.
In Aachen hat sich einmal mehr gezeigt, wie groß das Misstrauen gegen politische Großprojekte ist. Oft werden alle Projekte in einen Topf geworfen und pauschal abgelehnt. So wurden in der Debatte um die Campusbahn Stuttgart 21, BER und die Elbphilharmonie mit dem Neubau des Stadions ,Aachener Tivoli‘ oder der Kaiserplatzgalerie, einem bis jetzt nicht realisierten Einkaufszentrum im Herzen Aachens, in eine Reihe gestellt. Dass die Projekte nicht vergleichbar sind und dass hinter Stadionneubau und Einkaufszentrum private Investoren stehen, spielt bei der Beurteilung keine Rolle.
„Bei vielen Bürgerinnen und Bürgern hat sich offensichtlich ein grundlegendes Misstrauen gegen alle größeren Bauprojekten zumindest der öffentlichen Hand manifestiert. Obwohl in Aachen die Bürgerinnen und Bürger ausführlich über alle Planungen informiert wurden und es versucht wurde, sie frühzeitig ,mitzunehmen‘, konnte dieses Misstrauen nicht zerschlagen werden. Auch wenn ich die Entscheidung gegen die Bahn für falsch halte, darf die Schlussfolgerung nicht sein, dass sich die Politik wieder in ihre Gremien zurückzieht, um dort ,abgeschottet‘ ihre Entscheidungen zu treffen. Vielmehr müssen die Bürgerinnen und Bürger noch frühzeitiger in Planungs- und Entscheidungsfindungsprozesse eingebunden werden. Nur so kann auch unsachlichen und polemischen Argumentationen Vorschub geleistet werden, die mit den Ängsten der Menschen spielen“, erklärt Bettina Herlitzius.
Der GRÜNE Regionalratsfraktionsvorsitzende Rolf Beu, im NRW-Landtag Sprecher für den ÖPNV ergänzt: „Das Ergebnis des Ratsbürgerentscheids ist kurzsichtig und nicht nachhaltig. Mit einer elektrischen Straßenbahn sind Klimaziele eher erreichbar, als mit einer von Verbrennungsmotoren angetriebenen Busflotte. Außerdem haben die kommunalen Verkehrsunternehmen kaum Einfluss auf die immer weiter steigenden Dieselpreise, während die Stadtwerke den für den Bahnbetrieb notwendigen Strom oftmals selbst produzieren. Letztendlich sind die finanziellen Zuschüsse, die für die Campusbahn gewährt worden wären, für Aachen nun verloren.“