GRÜNE Regionalrat Köln

21. Dezember 2011

Mit BoA plus zur Energiewende?

Das Unternehmen RWE Power möchte in Niederaußem ein neues Braunkohlekraftwerk errichten: BoA plus soll mit moderner Technik betrieben werden und einen relativ hohen Wirkungsgrad aufweisen. Die GRÜNEN im Regionalrat Köln sehen aus verschiedenen Gründen den Neubau eines Braunkohlekraftwerks dennoch kritisch.

Ein durchaus ambitioniertes Vorhaben hat das Unternehmen RWE Power am 16. Dezember 2011 dem Kölner Regionalrat präsentiert: BoA plus – das steht für „Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik“ und will nicht mehr und nicht weniger sein als das modernste Kohlekraftwerk der Welt. Es soll nach derzeitigen Vorstellungen spätestens 2018 in Niederaußem in Betrieb gehen und bis dahin stillgelegte Kapazitäten ersetzen.

RWE wirbt dabei mit dem Einsatz moderner Technik. So soll der Wirkungsgrad bei 45 Prozent liegen, was im Vergleich zu herkömmlichen Kraftwerken in der Tat hoch ist. Heute haben Braunkohlekraftwerke weltweit nur einen Wirkungsgrad von durchschnittlich 31 Prozent. Außerdem soll ein sogenannter Hybridkühlturm dafür sorgen, dass die üblichen Rauchschwaden kaum noch auftreten und somit die umliegenden Regionen weniger verschattet werden. Sowohl die Möglichkeit, neben Braunkohle auch Biomasse zu verbrennen als auch spätere Optionen für Kohlendioxidabscheidung und Kraftwärmekopplung sollen zukunftsweisend sein.

„Verglichen mit alten, relativ ineffizienten Braunkohlekraftwerken ist BoA plus sicherlich ein Fortschritt“, kommentiert Rolf Beu als Vorsitzender der GRÜNEN im Regionalrat Köln die Projektvorstellung von RWE Power. „Dennoch muss man sich natürlich fragen, ob ein Kraftwerksneubau generell sinnvoll ist. Wir halten unsere grünen Ziele für die Energiewende für durchaus realistisch: Bis 2030 könnten 100 Prozent unserer Energie aus erneuerbaren Rohstoffen gewonnen werden.“ Vor diesem Hintergrund müsse ein neues Braunkohlekraftwerk wirklich nach der allermodernster Technik arbeiten und für die Effizienz das Letzte rausholen. Ob BoA plus diesen Anforderungen gerecht wird, muss sorgfältig geprüft werden.

Kritisch zu betrachten ist auch die Tatsache, dass das neue Kraftwerk nicht auf der Fläche der im Ausgleich stillzulegenden Kapazitäten gebaut wird, sondern dass neue Flächen im Umfang von immerhin 23 Hektar in Anspruch genommen werden. Außerdem könnte die relativ späte Inbetriebnahme eines neuen Braunkohlekraftwerks dem Unternehmen RWE Power als Argument für weitere – unerwünschte – Erschließungen von Braunkohletagebauflächen dienen.

Und nicht zuletzt wirft auch die Mitverbrennung von Biomasse Fragen auf, zum Beispiel, welche Stoffe dabei konkret verbrannt werden sollen, woher diese kommen und wie groß eine zusätzliche Verkehrsbelastung durch den Transport wäre. Die GRÜNE Regionalratsfraktion hat dazu in der Sitzung am 16. Dezember 2011 eine Anfrage gestellt, die aber bisher unbeantwortet blieb.

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